Projekt
AdDiGA
Adhärenz digitaler Gesundheitsanwendungen für depressive Krankheitsbilder und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems
Digitale Versorgung wirkt nur, wenn sie im Alltag genutzt wird
Die Gesundheitsversorgung ist durch eine dynamische Digitalisierung und die zunehmende Verbreitung von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) geprägt. Seit Einführung des Digitale-Versorgung-Gesetzes sind DiGA als erstattungsfähige Medizinprodukte in der Regelversorgung verankert. Ein großer Teil der Verordnungen entfällt auf depressive Erkrankungen und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Beide Krankheitsbilder gehen häufig mit chronischen Verläufen, funktionellen Einschränkungen und psychischer Belastung einher und sind in hohem Maße gesundheitsökonomisch relevant.
Mit der zunehmenden Verbreitung von DiGA rückt neben der Verfügbarkeit und Verordnung zunehmend die tatsächliche Nutzung im Versorgungsalltag in den Fokus. Für den Versorgungseffekt ist entscheidend, ob Patientinnen und Patienten eine DiGA nicht nur einlösen, sondern sie regelmäßig, sinnvoll und passend zu ihrer individuellen Situation nutzen. Damit steht die Adhärenz im Mittelpunkt, d.h. inwieweit beispielsweise gemeinsam von Patient und Behandler vereinbarte Therapie- und Nutzungsziele eingehalten werden. In der Praxis können dabei sehr unterschiedliche Nutzungsverläufe entstehen. Manche Patientinnen und Patienten integrieren die Anwendung gut in ihren Alltag, andere nutzen sie nur phasenweise, unregelmäßig oder brechen die Nutzung vorzeitig ab. Um die unterschiedlichen Nutzungsverläufe besser einordnen zu können, braucht es zusätzlich ein Verständnis dafür, wie Patientinnen und Patienten DiGA erleben, welche Hürden oder unterstützenden Faktoren im Alltag auftreten und wie Behandelnde die Einbindung in die Versorgung wahrnehmen.
An dieser Stelle ist eine wirtschaftsinformatische Perspektive besonders relevant. DiGA sind nicht nur medizinische Interventionen, sondern auch digitale Technologien. Während die medizinische Adhärenzforschung den Blick auf Therapietreue und Versorgungseffekte richtet, untersucht die Wirtschaftsinformatik, welche Faktoren die Akzeptanz und Nutzung neuer Technologien beeinflussen.
AdDiGA verbindet medizinische Adhärenz mit digitaler Nutzungsperspektive
AdDiGA verfolgt das Ziel, DiGA-Adhärenz bei depressiven Krankheitsbildern und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems besser zu verstehen und praxisnahe Ansatzpunkte für eine nachhaltige Nutzung abzuleiten. Dazu werden medizinische Erkenntnisse zur Adhärenz mit wirtschaftsinformatischen Modellen zur Akzeptanz und Nutzung digitaler Technologien verknüpft. Neben dem Status quo der DiGA-Nutzung in der Regelversorgung werden auch die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten, Risikonutzenden, Behandelnden und Patientenvertretungen einbezogen. Die Ergebnisse werden bewertet, priorisiert und in konkrete Handlungsempfehlungen überführt.
Aus Versorgungsdaten und Praxiserfahrungen entstehen praxisnahe Handlungsempfehlungen
Das Projekt AdDiGA ist in mehrere aufeinander aufbauende Arbeitspakete gegliedert. In AP 1 wird zunächst eine wissenschaftliche Grundlage geschaffen. Bestehende Erkenntnisse zur Adhärenz digitaler Versorgungsangebote werden systematisch aufgearbeitet, mit Modellen der Wirtschaftsinformatik verknüpft und durch einen internationalen Vergleich digitaler Versorgungsangebote ergänzt. Dadurch entsteht eine fundierte Basis für die weitere Analyse.
In AP 2 wird anhand von Routinedaten untersucht, wie DiGA in der Regelversorgung genutzt werden. Betrachtet werden unter anderem Verordnungen, Einlösungen, Wiederverordnungen, Selbstbeantragungen und Versorgungsverläufe. Ziel ist es, den Status quo der DiGA-Nutzung bei depressiven Krankheitsbildern und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems realitätsnah einzuordnen.
In AP 3 werden die datenbasierten Erkenntnisse durch Perspektiven aus der Praxis ergänzt. Interviews mit DiGA-Nutzenden, Risikonutzenden und Behandelnden zeigen, welche Faktoren die Nutzung fördern oder erschweren. Diese Erkenntnisse werden in Gruppen-Delphi-Runden mit Behandelnden und Patientenvertretungen priorisiert. Eine quantitative Versichertenbefragung dient als weiteres Instrument, um Erfahrungen und Einschätzungen aus der Versorgungspraxis systematisch und in größerer Breite zu erfassen sowie die qualitativen Erkenntnisse zu überprüfen. Ein Ärztebeirat begleitet die fachliche Einordnung.
In AP 4 werden die Ergebnisse zusammengeführt und in einen Maßnahmenkatalog überführt. Dieser enthält konkrete Handlungsempfehlungen für Patientinnen und Patienten, Leistungserbringende und DiGA-Hersteller und soll Ansatzpunkte für eine nachhaltige DiGA-Nutzung aufzeigen.

Förderung
Dieses Projekt wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert (Förderkennzeichen 01VSF25029). Zur Projektvorstellung
Projektlaufzeit: 01.03.2026 - 28.02.2029